Urteil stärkt Recht auf freie Wahl des Geburtsortes

Familien fordern Hebammen

Presseinformation der Elterninitiative Hebammenunterstützung vom 11.09.2014

Mit einem kürzlich gefällten Urteil stärkt der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte erneut das Recht der Frauen auf die freie Wahl des Geburtsortes.

In dem entschiedenen Fall ging es um eine Hebamme, die außerklinische Geburt betreut hatte, obwohl die medizinischen Standards eine Geburt im Krankenhaus vorgesehen hatten. In Deutschland wäre dies bspw. bei einer Beckenendlage des Kindes der Fall.

Die Hebamme hatte den Frauen wunschgemäß beigestanden und musste nun mit der Erteilung eines lebenslangen Berufsverbotes rechnen. Der EuGH jedoch stärkte die freie Entscheidung der Frauen und bezog sich auf ein ähnliches Urteil aus dem Jahre 2010 (Ternovsky gegen Ungarn) wonach diese höher zu werten sei, als klinische Richtlinien.

Zwar hätte eine Hebamme alles zu unternehmen, um in solche Situationen die Frauen umfassend aufzuklären und zu versuchen, die jeweilige Frau von einer Geburt im Krankenhaus zu überzeugen. Sollte diese dennoch eine außerklinische Geburt wünschen, so träte für die betreffende Hebamme der Dringlichkeitsfall ein, in dem sie auch ohne Anwesenheit eines Arztes die Geburt begleiten darf (Richtlinie 2005/36/EG, Art. 42 f, g).  „Ein großartiges Urteil im Sinne der Frauen“, sagen die Aktivistinnen des Elternprotestes Hebammenunterstützung und verweisen auf das Neue im Urteil vom 24. Juni: „Der Notfall tritt bereits mit dem ausgesprochenen Wunsch der Frau ein. Dies stärkt die selbstbestimmte, wohlinformierte Entscheidung der Frauen enorm“. Das Urteil bestätige auch den Elternprotest in seiner Tätigkeit. Die Gruppe setzt sich u.a. mit einer Petition an den Bundestag für das Grundrecht auf die freie Wahl des Geburtsortes und die Begleitung in einer 1:1 Betreuung durch eine Bezugshebamme ein. Alle Beteiligten seien nun aufgerufen umgehend Maßnahmen zu ergreifen, dass Hebammen ohne Angst ihrer Kerntätigkeit als Geburtshelferin nachgehen können und zwar dort, wo sie von den Frauen gebraucht würden. „Derzeit sitzt den Hebammen bei  jedem Schritt die Angst im Nacken“, wissen die Elternaktivistinnen. Selbstverständlich gehe es um verantwortliches Handeln und nicht um Fahrlässigkeit. „Aber wenn die Angst vor Juristen in Zukunft bestimmt, wo und wie wir unsere Kinder ins Leben begleiten, werden wir eher mehr als weniger Schadensfälle haben“, bestätigen die Eltern.

In Deutschland wird derzeit ein ähnlicher Sachverhalt behandelt. Die Ärztin und Hebamme Anna R. steht wegen Totschlags vor dem Landgericht Dortmund. U.a. wird ihr vorgeworfen, dass sie die Frau, die ausdrücklich eine Hausgeburt wünschte und dafür extra den Weg von Riga (Lettland) nach Unna in Kauf nahm, gar nicht erst hätte außerklinisch begleiten dürfen. Das Baby verstarb kurz vor oder während der Geburt. Die Todesursache ist unklar.

Hintergrund

Der Elternprotest Hebammenunterstützung ist eine Gruppe von Eltern und Expert*innen, die sich im Februar 2014 im Internet gegründet hat. Die Gruppe umfasst rund 16.000 Männer und Frauen bundesweit. Sie ist vernetzt mit zahlreichen anderen Partnern und organisiert dezentral regelmäßig Aktionen zur Verbesserung der Situation in der Geburtshilfe. Zu den Mitgliedern gehören u.a. Change-Petentin Anke Bastrop (Sie sorgte dafür, dass die Hebammenhilfe in den Koalitionsvertrag aufgenommen wurde.), Change-Petentin Bianca Kasting (Sie sammelte rund 425.000 Unterschriften in einem Aufruf an Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe.),  Hebamme und Bundestagspetentin Sabine Schmuck („Das wird Tote geben“,  sagte sie in einer öffentlichen Anhörung vor dem Petitionsausschuss des Bundestags am 23. Juni 2014 über die Entwicklung in der Geburtshilfe.) , Bundestagspetentin Michaela Skott (aktuelle Petition 51 168/ Sie fordert das Grundrecht auf die freie Wahl des Geburtsortes und die 1:1-Betreuung während der Geburt durch eine Bezugshebamme.).

Netzwerkpartner: Human Rights in Childbirth/ Geburt e.V. Eckernförde/ Happy Birthday e.V./ Hebammen für Deutschland e.V. / Gerechte Geburt u.v.m.

Mehr Informationen und Ansprechpartner*innen finden Sie unter: www.hebammenunterstuetzung.de

Weitere Informationen: Deutsche Hebammen Zeitschrift

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