Hebammenmangel in der Landeshauptstadt: Unser Treffen mit Klaudia Zepuntke (SPD)

Elternprotest-Klaudia-Zepuntke

Vertreterinnen der Initiative „Elternprotest Düsseldorf und Umgebung“ trafen sich am 16.09.2014 mit Düsseldorfs zweiter Bürgermeisterin Klaudia Zepuntke (SPD) und der stellvertretenden Ratsfraktionsvorsitzenden der SPD Ursula Holtmann-Schnieder zu einem Gespräch über die Hebammensituation in Düsseldorf. Begleitet wurden die Elternvertreterinnen von Isabelle Rosa-Bian, Hebamme und fachliche Geschäftsführerin des örtlichen Geburtshauses. Anlass des Treffens waren zum Einen der aktuell bestehende Hebammenmangel in der Landeshauptstadt und die damit verbundene Sorge werdender Mütter und Familien. Zum Anderen wurde über die noch immer ungelöste Haftpflichtproblematik der Hebammen gesprochen, die den Berufsstand spätestens ab Juli 2016 mit dem Aus bedroht. Der Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands (BfHD) kann seinen Mitgliedern bereits ab Juli 2015 keine Haftpflichtversicherung mehr bereitstellen.

Beide Politikerinnen waren sehr gut informiert, so dass das Gespräch in einer konstruktiven Atmosphäre stattfand. Die Elternaktivistinnen berichteten, dass werdende Mütter in Düsseldorf auf der Suche nach einer Nachsorgehebamme oft verzweifeln, da sie über 30 Telefonnummern abarbeiten müssen – ohne Erfolgsgarantie. Außerdem wiesen sie auf den Verlust für Düsseldorfer Eltern durch die drohende Schließung des Geburtshauses hin. Dort finden – neben dem Angebot der Geburtshaus- und Hausgeburt – regelmäßig Vorträge und Kurse zu den Themen rund um Schwangerschaft, Geburt, Rückbildung, Baby und Kleinkind statt, die jährlich von über 2500 Eltern besucht werden. Rosa-Bian machte zudem deutlich, dass die freie Wahl des Geburtsortes in Düsseldorf schon jetzt nicht mehr gewährleistet ist. Aufgrund der hohen Auslastung musste das Geburtshaus 2014 zum ersten Mal Frauen absagen, die ihr Baby außerklinisch entbinden wollten. „Es gibt Frauen, die bei uns anrufen und fragen, bis wann sie schwanger sein müssen, um noch außerklinisch gebären zu können“, so Rosa-Bian.

Die engagierten Mütter befürchten auch für Düsseldorf in Zukunft ähnlich dramatische Zustände wie in anderen Städten. Als Beispiel nannten sie unter anderem München, wo Kliniken Geburtsanmeldungen wegen zu hoher Auslastung bereits ablehnen und Schwangere an andere Häuser verweisen müssen. Eine freie Wahl des Geburtsortes ist dort auch im Klinikbereich nicht mehr möglich. Bereits jetzt sind die Düsseldorfer Kreißsäle teilweise überlastet und Geburten müssen auf andere Zimmer ausgelagert werden. Die verbesserungswürdigen Arbeitsbedingungen in Geburtsstationen  belegt auch eine bundesweite Umfrage des Deutschen Hebammenverbandes (DHV). Immer mehr Hebammen klagen demnach über eine dauerhafte Überlastung, u. a. durch Rufbereitschaftsmissbrauch, regelmäßige Überstunden bis hin zu Doppelschichten.*) Leidtragende sind hier immer auch die gebärenden Frauen.

Die mitgebrachten Lösungsideen und Wünsche wurden mit Zepuntke und Holtmann-Schnieder ausführlich diskutiert und beraten, ebenso wie die Vorschläge der SPD-Politikerinnen. So werden die Ratsfrauen das Thema mit in ihre Fraktion nehmen, Kontakt mit dem Gesundheitsamt und dem Jugendamt aufnehmen und eine Anfrage zur Situation der Hebammen in Düsseldorf auf die Tagesordnung der öffentlichen Ratssitzung am 30.10.2014 setzen.

Am Ende des Gespräches überreichten die Elternvertreterinnen noch eine etwa 6 Meter lange Schriftrolle mit den Meinungen von Düsseldorferinnen und Düsseldorfern zum Thema: „Ohne Hebamme fehlt mir …“. Die Kommentare
hatten sie zuvor online und auf dem Familienfest des Geburtshauses gesammelt. Überdies präsentierten sie 303 Unterschriften, die für die aktuelle Bundestagspetition 51168 zur selbstbestimmten Geburt gesammelt wurden und nun auf dem Weg nach Berlin sind.

Über aktuelle Aktionen des Elternprotestes können sich Interessierte hier informieren https://elternprotestduesseldorf.wordpress.com/. Wer sich ebenfalls engagieren möchte, kann sich per mail an ak.elternprotest.dus@gmail.com melden.

*) Siehe hier http://www.hebammenverband.de/aktuell/nachricht-detail/datum/2014/02/11/artikel/die-situation-in-den-kliniken-ist-unertraeglich/
und hier http://www.hebammenverband.de/aktuell/nachricht-detail/datum/2014/06/20/artikel/arbeitsbedingungen-der-hebammen-in-den-kliniken-verschlechtern-sich

Advertisements

Ein Gedanke zu „Hebammenmangel in der Landeshauptstadt: Unser Treffen mit Klaudia Zepuntke (SPD)

  1. Pingback: Hebammenzentrale Düsseldorf | Elternprotest Düsseldorf und Umgebung

Schreib uns deine Kommentare, Fragen, Anregungen:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s