Filmpremiere: „Meine Narbe“ in Köln

Am Montag, 23. März 2015, um 15 Uhr lädt der Fachbereich Gesundheitswesen der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen in Köln zur Deutschlandpremiere des österreichischen Dokumentarfilms „Meine Narbe“ ein.

Die Regisseurinnen Mirjam Unger und Judith Raunig möchten mit ihrem Film Frauen eine Stimme geben, die einen Kaiserschnitt hatten und die diese Art der Geburt als Trauma erlebt haben.

Obwohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen Kaiserschnittrate von 15 Prozent empfiehlt, kamen in Deutschland im Jahr 2012 31,7 Prozent aller Kinder durch diesen operativen Eingriff zur Welt.

Judith Raunig wird vorab eine Einführung geben und im Anschluss an einer Podiumsdiskussion teilnehmen.

Einladung der Katholischen Hochschule (PDF)


(Update 11.03.2015)
Pressemitteilung zur Veranstaltung:

KatHO NRW zeigt erstmals Dokumentarfilm über Kaiserschnitt-Traumata (06.03.2015, KatHO NRW)

Jedes dritte Baby in Deutschland wird durch einen Kaiserschnitt zur Welt gebracht, Tendenz steigend. Damit liegt Deutschland im europäischen Vergleich in der Spitzengruppe. Den Eingriff erleben die Mütter häufig als Trauma, das sie nur schwer verarbeiten können. Ein Tabu-Thema, das der Film „Meine Narbe“ ansprechen möchte. In sehr persönlichen Interviews schildern die Mütter ihr körperliches und seelisches Empfinden und erzählen von den Folgen der Geburt, die sie als traumatisierend erlebt haben.

Die Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen zeigt den Dokumentarfilm erstmals in Deutschland und lädt im Anschluss zu einer Podiumsdiskussion mit Hebammen, Ärzten und Betroffenen ein:

Montag, 23. März 2015
15 Uhr
Audimax
Katholische Hochschule NRW
Wörthstr. 10, 50668 Köln

Die Idee zum Film hatte Judith Raunig, eine Klinische- und Gesundheitspsychologin aus Österreich, die in ihrer Praxis zunehmend Frauen betreut, die unter psychischen Belastungen einer Kaiserschnitt-Geburt leiden. In ihrer Arbeit habe sie immer wieder teils sehr schockierende Erzählungen gehört: „Frauen berichteten davon, überrumpelt und zum Kaiserschnitt gedrängt worden zu sein, von Androhungen schwerer Folgen für das Kind oder von eigenen Todesängsten“, so Raunig. „Irgendwann war für mich die Diskrepanz zwischen der Art, wie ein Kaiserschnitt in der Öffentlichkeit verkauft wird, nämlich als eine einfache, moderne, sichere und schmerzlose Art der Geburt, und der Wahrnehmung etlicher Frauen so absurd, dass ich nach einer Möglichkeit gesucht habe, diese Sicht des Kaiserschnitts, die Sicht der Betroffenen, der Öffentlichkeit näher zu bringen.“ Mit dem Film will Raunig die Schattenseiten des Kaiserschnitts zeigen, wachrütteln und den Sprachlosen Mut machen, wie sie es formuliert. Mindestens ein Drittel der Frauen, schätzt die Psychologin, erleben den Kaiserschnitt als unzufrieden, belastend oder traumatisierend, und bezieht sich dabei auf eine Studie vom „Wiener Programm für Frauengesundheit“. In Deutschland wären das demnach rund 62.000 Frauen, die betroffen sein könnten, folgert Judith Raunig.

Professorin Dr. Sabine Dörpinghaus leitet den neuen Studiengang Hebammenkunde an der KatHO NRW und hat die Österreicherin eingeladen, den Film erstmals auch in Deutschland zu zeigen. Mit der Veranstaltung will die Hebammen-Professorin zum einen die derzeitigen Entwicklungen im Gesundheitssektor – hier im speziellen Fall die steigenden Kaiserschnittquoten – gesellschaftskritisch beleuchten, zum anderen die Perspektive der Betroffenen in den Blick nehmen. „Frauen befinden sich in der Geburtsphase in einer existentiell sehr bedeutsamen Situation. Aber ihre Perspektive gerät zugunsten einer analytisch-zergliedernden Betrachtungsweise häufig aus dem Blick“, sagt Professorin Dörpinghaus und kritisiert damit, dass eine einseitige Orientierung an Merkmalen, wie zum Beispiel der Muttermundsweite, vor dem ergreifenden und leiblich spürbarem Erleben und damit vor dem „Betroffen-sein“ der Frau selber stünden, wo durch „das Auge und die Beurteilung des Anderen“ (Fremdblick) Traumatisierungen auftreten können.

Obwohl mittel- und langfristige Effekte, wie die psychische Gesundheit der Frau, aber auch Probleme bei Neugeborenen bekannt seien, würde die Schwelle zur so genannten Schnittentbindung weiter gesenkt. „Die Gründe sind komplex“, sagt Dörpinghaus. „Medizinische Gründe, wie das Alter der Frauen, Mehrlingsschwangerschaften oder Kinder über 4.500g, aber auch organisatorische, finanzielle und haftungsrechtliche Gründe sind relevant.“

Dass Frauen, die einen Kaiserschnitt als traumatisch erlebt haben, bei der Verarbeitung ihrer Gefühle unterstützt werden, stelle eine Ausnahme dar. „Im Gesundheitssystem stehen Fragen im Vordergrund wie ‚Wie sieht die Wunde aus?‘ ‚Klappt das Stillen?‘ ‚Hat die Frau Temperatur?‘“, sagt Dörpinghaus. „Hebammen betreuen Frauen nach der Geburt in ihrem häuslichen Umfeld und natürlich bekommen sie hier mit, was mit den Frauen ist. Dass sie beispielsweise eine Schnittentbindung als Unzulänglichkeit ihrer Selbst, ihres Frauseins erleben können.“

Mit dem Hebammen-Studiengang will die KatHO NRW die Planungs- und Reflexionsfähigkeiten der Hebammen fördern, damit sie die hochkomplexe klinische und beraterische Betreuungssituationen in den Bereichen Familienplanung, Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Überleitung vom Wochenbett in die Phase der Familiarität in angemessener Weise bewältigen können.

Ausschnitte zum Film finden Sie hier:

https://www.youtube.com/watch?v=QXrTmub4Xqs
https://www.youtube.com/watch?v=u8B9jDJBDbs

Weitere Informationen: Prof. Dr. Sabine Dörpinghaus, s.doerpinghaus(at)katho-nrw.de, Tel. 0221/7757-340

Redaktion: Julia Uehren, presse(at)katho-nrw.de


Weitere Infos zum Film: http://www.geyrhalterfilm.com/meine_narbe

Lest auch hier:
Roses Revolution – Aktion gegen Gewalt in der Geburtshilfe

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