Netzrunde: Geburtshilfe in Deutschland (2)

Netzrunde

Wir haben wieder eine Netzrunde für Euch gedreht und empfehlen Euch hier einige Beiträge zur aktuellen Lage der Geburtshilfe in Deutschland.

  • Die Hebammen werden abgeschafft“
    – das wurde einer Schwangeren von einer AOK-Mitarbeiterin mitgeteilt. Als Alternative könne sie ja die Hotline anrufen. Mal wieder ein sehr sehr lesenswerter Artikel aus dem Blog Von guten Eltern und zurecht auf Facebook besonders oft geteilt. Bitte auch den Kommentar von Michael Etzbach lesen!
  • Hallo Frau Gröhe
    Bloggerin Andrea Harmonika schreibt einen Brief an Frau Gröhe – unterhaltsam zu lesen, wenn’s nicht so traurig wäre…
  • „Eine Geburt ist nicht versicherbar“
    Interview mit Sabine Dörpinghaus (Hebamme, Pflegewissenschaftlerin und Professorin für Hebammenkunde an der Katholischen Hochschule Köln) im Arte Magazin. „Hebammen sind und bleiben anthropologische Schlüsselfiguren – auch wenn Jurisprudenz, Ökonomie, technologisch-rationales Planungsmanagement oder politische Gesetzgebung eine andere Vorstellung von dem Beruf haben.“

#meineGeburtmeineEntscheidung
unter diesem Motto ruft der Deutsche Hebammenverband (DHV) die Eltern zum Protest gegen die Pläne des GKV-Spitzenverbandes (Mehr dazu hier: Freie Wahl des Geburtsortes soll künftig massiv eingeschränkt werden). Hier einige spannende Beiträge dazu:

  • Keine Wahl mehr
    „Denn gerade die außerklinische Geburtshilfe hat auch bewirkt, dass es in den Kreißsäalen wieder „menschlicher“ zugeht“. Beitrag von Von guten Eltern.
  • Warum es nicht alleine geht und auch nicht nur in Kliniken
    „Wenn es zudem keine außerklinischen Vorbilder mehr gibt, gibt es keinen Maßstab, an dem sich die Kliniken in Hinblick auf familienfreundliche Geburten orientieren können: Dass es heute so viel schönere, alternativ ausgestattete Kreißsäale gibt, liegt auch an dem Vorbild der Geburtshäuser und Hausgeburten.“
    Ein Plädoyer für die Wahlfreiheit von Susanne von Geborgen wachsen. Schaut Euch auch die Linksammlung unter dem Artikel an.

 

Netzrunde: Geburtshilfe in Deutschland

Netzrunde Elternprotest

  • Blog-Leseempfehlung:
    „Blutige Entlassung“ ins Wochenbett – Von guten Eltern
    „Es ist mehr als absurd, dass Mütter immer früher nach Hause entlassen werden, während parallel die häusliche Versorgung mehr und mehr bröckelt.“
    http://www.zockt.com/vonguteneltern/?p=3510

Heute: Roses Revolution – Aktion gegen Gewalt in der Geburtshilfe

Gewalt in der Geburtshilfe wird meist totgeschwiegen. Ein Tabuthema – die Mutter hat sich gefälligst zu freuen, dass ihr Kind gesund und am Leben ist, dass die Geburt endlich vorbei ist. Doch welche Demütigungen und unnötigen Eingriffe Frauen unter der Geburt häufig erfahren, welche Entscheidungen über ihren Kopf hinweg getroffen werden, ist erschreckend. DAS IST GEWALT! Doch nicht hier, in Deutschland, werden viele denken. Doch, genau hier. Und deshalb werden jedes Jahr am 25. November rosa Rosen vor Kreißsäle gelegt, in denen Frauen Gewalt erfahen haben.

Hier unsere Leseempfehlungen:
(Liebe schwangere Leserinnen, bitte überlegt, ob ihr die Zexte lesen wollt – manche der Berichte sind sehr belastend)

Brich das Schweigen! – Eine Rose gegen Gewalt in der Geburtshilfe | Huffington Post

Themenwoche „Gewalt in der Geburtshilfe | Happy Birthday e.V.

Solveig aus Hamburg | Das erste Gesicht
(Gewalt in der Geburtshilfe aus Sicht einer Hebammenschülerin)

„Roses Revolution“ am 25. November | Blog „Frische Brise“

Mütter und Väter, brecht Euer Schweigen – nur so kann sich etwas ändern!

 

Link: Mehr zur Roses Revolution bei uns im Blog.

Stellungnahme Versorgungsstärkungsgesetz Elternprotest

Hier könnt Ihr das Fazit der bei der Aktion „Zappenduster“ angekündigten Stellungnahme lesen. Der komplette Text wurde am 10. November auf www.hebammenunterstützung.de veröffentlicht.

Die Angaben des möglichen Effekts eines Regressverzichts durch die Sozialversicherer in der Höhe der Haftpflichtversicherungen sind äußerst vage und differieren stark. Bestenfalls steht zu erwarten, dass, so es denn weitere Angebote geben wird, die Beiträge auf dem jetzigen hohen Niveau stagnieren (vgl. Bericht der IMAG Hebammenhilfe). Dieses ist jedoch für die freien Geburtshelfer*innen bereits heute kaum leistbar. Auch Geburtshäuser und kleinere Geburtskliniken, insbesondere jene mit Belegsystemen (Ärzte und/oder Hebammen) leiden unter derselben Problematik, bleiben jedoch unberücksichtigt. Bei den Beteiligten wird der vorliegende Entwurf maximal als kleiner Zwischenschritt auf dem Weg hin zu einer nachhaltigen Lösung betrachtet, für die bis heute keine Vorschläge vorliegen. Die voraussichtliche Verabschiedung nicht vor Frühjahr des kommenden Jahres verstärkt im Übrigen die Unsicherheit unter den Hebammen, da bis dahin keine Vorlage eines verbindlichen Versicherungsangebotes möglich ist. In der Folge geben weitere Hebammen ihre geburtshilfliche Tätigkeit schon heute auf.

Zusammenfassend lässt sich konstatieren, dass der Gesetzesentwurf durchaus auf Bedenken rechtlicher Art stößt, welche nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen sind. Diese könnten durch mögliche gerichtliche Prüfungen bestätigt oder ausgeräumt werden. Es steht zu befürchten, dass das gesamte Verfahren dadurch noch länger andauert und bis zum Inkrafttreten die Angebote in der Geburtshilfe noch weiter ausgedünnt werden, was Gefährdungen der Gesundheit von Müttern und Kindern zur Folge hat.

Neben der notwendigen Betrachtung zur Gesamtlage der Geburtshilfe in Deutschland und auch der prekären Situation der Hebammen im Besonderen gestatten Sie uns eine Anmerkung:

Wir Eltern sehen in der Fokussierung der spezifischen Probleme des Berufsstandes der Hebammen und Entbindungspfleger nicht den Willen das System der deutschen Geburtshilfe aus Sicht derjenigen zu betrachten, die direkt betroffen sind: Die Frauen und Kinder. Das Bundesgesundheitsministerium reagiert auf Symptome ohne für die exakte Anamnese zu sorgen. Diese, so wissen wir, erfolgt immer im Gespräch mit dem Patienten. Es reich also nicht über die Frauen und Kinder zu reden. Suchen Sie das Gespräch mit uns, den Familien!

Die heterogene Gruppe der Hebammen, Ärzte und Kliniken steht einer homogenen Gruppe von Frauen gegenüber, deren einziger Wunsch es ist, die derzeit ca. 670.000 Kinder jährlich gesund und sicher, aber auch selbstbestimmt und in Würde unter der freien Wahl des Geburtsortes auf die Welt zu bringen. Dieses Recht ist in der Europäischen Rechtsprechung bereits 2010 im Urteil Ternovszky/Ungarn (67545/09) bestätigt worden. In der Begründung machte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte explizit darauf aufmerksam, dass der Staat dafür Sorge tragen muss, die Rahmenbedingungen für diese Entscheidung so zu gestalten, dass sie frei von Angst getroffen werden kann. Der geplante Regressverzicht mag uns allen nun höchstens ein weiteres Jahr geben, um langfristige nachhaltige Lösungen zu erarbeiten, wie es auch die Forderung Ihrer Länderkolleg*innen auf der Gesundheitsministerkonferenz Ende Juni in Hamburg war. Bitte berücksichtigen Sie, dass sich Nachhaltigkeit nur durch Mitsprache erreichen lässt. Wenn Sie mit diesem vorliegenden Gesetzentwurf u.a. auch eine Stärkung der Patientenrechte voran bringen wollen, wird es unerlässlich sein, auch mit uns in das Gespräch zu kommen. Sichere Geburtshilfe kann nur wohnortnah sein. Qualität in der Geburtshilfe wird nicht ausschließlich durch das Abarbeiten großer Fallzahlen erreicht. Das System ist an vielen Stellen absurd finanziert. Wir bitten Sie, uns künftig als eigenständige Gesprächspartner wahrzunehmen. Wir Familien sind nicht Lobby für Partikularinteressen verschieden organisierter Berufsgruppen. Wir Familien sind Kern der Gesellschaft.

Leseempfehlung zur aktuellen Situation: Die Geburtshilfe steht vor dem Aus

Wer sich über die aktuelle Lage der Geburtshilfe in Deutschland informieren möchte, dem sei dieser umfassende Artikel von Elternaktivistin Michaela Skott ans Herz gelegt:

Das Wunder der Geburt ist zum Wirtschaftsfaktor verkommen – Ein kompletter Systemwechsel muss her.

„Schwangere, die keine Hebamme mehr für die Vorsorge oder Wochenbettbetreuung finden. Frauen, die zum nächsten Kreißsaal mehr als 30 Minuten fahren müssen – nicht wollen. Frauen, die, um zu gebären, zwei Wochen vor dem errechneten Termin in ein Boarding-Hotel gehen müssen, da in ihrem unmittelbaren Wohnumfeld keine Klinik mehr ist. Frauen, die auf dem Rettungswagen ihre Kinder bekommen, wie im September in Ostholstein gleich zweimal geschehen. Kinder halten sich eben nicht an Termine. Frauen, die an Kliniktüren abgewiesen werden, weil der Kreißsaal überfüllt ist – oder im Kabuff nebenan entbinden müssen. Frauen, die ihr Recht auf die freie Wahl des Geburtsortes nicht ausüben können, weil es keine Geburtshäuser oder außerklinisch arbeitenden Gynäkologen und Hebammen mehr gibt. Steigende Interventions- und Kaiserschnittraten. Über 200 geburtshilfliche Stationen haben in den vergangenen zehn Jahren geschlossen. Ein Ende des Sterbens ist noch längst nicht in Sicht.“

http://www.die-tagespost.de/Die-Geburtshilfe-steht-vor-dem-Aus;art456,156157

Leseempfehlung: Wo sind all die Hebammen hin?

Wieder ein bewegender Text von Hebamme Anja Constance Gaca (Blog “Von guten Eltern”). Unbedingt lesenswert und aufschlussreich.

Wo sind all die Hebammen hin? | Von guten Eltern:

Ich möchte auch nicht weiter zusehen, wie Frauen traumatisiert aus Geburten hervorgehen, weil das wirtschaftliche Denken einer Klinik eine einfühlsame, sichere und gute Betreuung verhindert.

Leseempfehlung: „Dann ist der Kreißsaal halt mal zu“

Auch in Kliniken verschlechtert sich die Arbeitssituation für Hebammen zunehmend. Die Überlastung schadet nicht nur den Hebammen sondern letztenendes auch den dort betreuten Frauen.

Immer mehr Kliniken haben große Schwierigkeiten, Hebammen für ihre Kreißsäle zu finden. Woran das liegt und wie sich die Arbeitsbedingungen in den Kreißsälen verändert haben, darüber sprechen DHV-Präsidentin Martina Klenk und die Beirätin für den Angestelltenbereich, Susanne Steppat, mit Klinikhebammen in ganz Deutschland. In ihrer Zwischenbilanz nach einem knappen Jahr und Klinikbesuchen in acht Bundesländern ziehen sie ein düsteres Fazit.


Link: Lest den ganzen Artikel auf www.hebammenverband.de.

Leseempfehlung: Willkommen im Hebammen-Mangelgebiet!

Hebamme Anja Constance Gaca schreibt in ihrem Blog „Von guten Eltern“ über das Wegbrechen der Hebammenversorgung in der Vor- und Nachsorge – nicht erst 2015 oder 2016. Schon jetzt haben viele Schwangere Probleme eine Hebamme zu finden. Und die Aussichten auf ein „Wochenbett im Wartezimmer“ sind bedrückend.

Willkommen im Hebammen-Mangelgebiet! | Von guten Eltern:

Die Arbeit auf den geburtshilflichen Stationen wird übrigens auch nicht weniger werden, wenn dann noch die unbetreuten Wöchnerinnen mit schmerzender Naht oder Stillproblemen in der Ambulanz sitzen und vom Klinikpersonal mit versorgt werden müssen.

Lesenswert!

Deutscher Ärztetag: Montgomery schlägt Staatshaftungsmodell für Geburtshilfe vor

Vom 27. bis 30. Mai 2014 fand in Düsseldorf der 117. Deutsche Ärztetag statt. Der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, äußerte sich in seiner Eröffnungsrede zur Problematik steigender Haftpflichtprämien in der Geburtshilfe und schlägt ein Staatshaftungsmodell vor, ähnlich wie bei der Absicherung von Impfschäden.

Auszug aus der Eröffnungsrede zum 117. Deutschen Ärztetag von Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery: Weiterlesen

Leseempfehlung: Warum kein Berufsstand Hebammen ersetzen kann – Ein Erfahrungsbericht

Unbedingte Leseempfehlung: Susanne berichtet in ihrem Blog „Geborgen Wachsen“ über eine Mutter, die durch eine unglückliche Fügung keine Nachsorgehebamme hatte.

So könnte die traurige Realität für viele Familien aussehen, wenn es keine Hebammen mehr gibt. Auch wenn einzelne Berufsgruppen die Arbeit von Hebammen kompensieren könnten – für die Mütter bzw. Familien ist es wichtig, eine Ansprechpartnerin für alle Belange zu haben, die den Gesamtüberblick hat und gegebenenfalls an Experten verweisen kann.

Warum kein Berufsstand Hebammen ersetzen kann – Ein Erfahrungsbericht | Geborgen Wachsen.