Petitionen jetzt unterstützen: Elternprotest in Bremen und Sankt Augustin

Druck

Ein kurzer Hinweis zu zwei aktuellen Petitionen zur Geburtshilfe:

Landespetition Bremen – Sicherung der geburtshilflichen Versorgung

Eingereicht von der Bremer Mother Hood-Landeskoordinatorin fordert diese Petition die Bremer Bürgerschaft u. a. auf, die Hebammenversorgung der Schwangeren und Mütter zu verbessern (die Nachfrage bei Wochenbettbetreuung, Geburtsvorbereitung, Rückbildung kann zur Zeit nicht abgedeckt werden) und verbindliche Regelungen zur Senkung der Kaiserschnittrate von 30,5 Prozent (!) zu treffen. Diese Petition könnt ihr noch bis zum 27. Dezember unterstützen – auch wenn ihr nicht in Bremen wohnt! (Ganz unkompliziert und ohne Anmeldung.)

Change.org: Verhindern Sie die Schließung der Geburts- und Neugeborenenstation in Sankt Augustin!

Wer es sich auf der Karte von Akte NRW – Das Sterben der Geburtshilfe in Nordrhein-Westfalen anschaut, sieht schnell, dass die Geburtsstationen rechtsrheinisch um Sankt Augustin dünn gesät sind. „Würde die Schließung durchgesetzt, könnten im rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis demnächst nur noch nur noch in den Krankenhäusern in Troisdorf, Sieglar und Bad Honnef Kinder zur Welt kommen. Für werdende Eltern in der Region eine dramatische Entwicklung, denn im Notfall sind die Entfernungen zur nächsten Entbindungsstation entscheidend!“

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Aussagen des Bundesgesundheitsministeriums zur aktuellen Situation der Hebammen

Vor der Anhörung von Michaela Skott im Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages (Sicherstellung der freien Wahl des Geburtsortes sowie einer Geburtsbegleitung im Schlüssel von 1:1) schrieben wir die Düsseldorfer Bundestagsabgeordnete Sylvia Pantel an, um sie auf die Anhörung und unsere Einschätzung der Situation aufmerksam zu machen. Nun erhielten wir ihre Antwort mit einer Auskunft des Bundesgesundheitsministeriums (BGM) zur aktuellen Lage. Mit freundlicher Genehmigung von Frau Pantel dürfen wir den Schriftwechsel hier veröffentlichen.

Nachricht von Mother Hood e.V. Düsseldorf vom 11. Juni 2016:

Sehr geehrte Frau Pantel,

unser letztes Treffen im November 2015 ist eine Weile her. Seitdem hat sich die Situation für uns Eltern in Deutschland wesentlich verschlechtert. Weiterhin werden Geburtsstationen geschlossen (im Regierungsbezirk Düsseldorf wurden zuletzt Geburtsstationen in Wuppertal und Solingen geschlossen, erst letztes Wochenende wurden in Hannover beide Level-1-Geburtskliniken wegen Personalmangels vorübergehend geschlossen), Kaiserschnitt- und Interventionsraten sind viel zu hoch – nicht zuletzt wegen zu schlechter Betreuungslage – und Hebammen geben ihren Beruf auf.

Seit 2014 sammeln wir als Elternprotest bundesweit in vielen Aktionen nun Unterschriften für die Petition 51168: Gesundheitsfachberufe – Sicherstellung der freien Wahl des Geburtsortes sowie einer Geburtsbegleitung im Schlüssel von 1:1 vom 25.03.2014 (https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2014/_03/_25/Petition_51168.nc.html).

Hierin wird u.a. die Forderung einer 1:1 Betreuung während der Geburt gestellt. Zurzeit sind Betreuungsschlüssel von 1:5 keine Seltenheit, immer häufiger werden Frauen unter Wehen wegen Personalmangels von Geburtskliniken abgelehnt und an andere Häuser verwiesen. Wir sehen die Politik in der Verantwortung, (gesetzliche und wirtschaftliche) Anreize zu schaffen, damit der Beruf der Hebamme wieder gestärkt wird.

Nun wird die Petition endlich am 20.6.2016 im Petitionsausschuss behandelt. Wir bitten Sie inständig darum, Ihre Kolleginnen und Kollegen vom Petitionsausschuss auf die Dringlichkeit und die Notwendigkeit dieser Petition aufmerksam zu machen. Unterstützen Sie uns Eltern: für uns und die kommenden Generationen müssen wir für eine Verbesserung der Geburtskultur in Deutschland eintreten!

Mit freundlichen Grüßen

Mother Hood e.V. Düsseldorf


Antwortschreiben von MdB Sylvia Pantel vom 1. September 2016:

Liebe Frau D.,

seit meiner Wahl in den Bundestag begleite ich die wichtigen Anliegen der freiberuflichen Hebammen. Ich habe großes Verständnis für die Besorgnis in Bezug auf die freie Wahl des Geburtsortes und eine gute und flächendeckende Versorgung mit Hebammenhilfe in Schwanger- und Mutterschaft. Die Problematik wurde bei der Anhörung im Petitionsausschuss am 20.06.2016 erneut angesprochen. Die Anhörung ist unter http://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2016/kw25-pa-petition-hebammen/428582 als Video dokumentiert.

Mit Bezug auf Ihre Email habe ich beim Bundesgesundheitsministerium noch einmal zur aktuellen Situation nachgefragt, die Antwort ist leider erst jetzt eingetroffen.

Das BMG hat mir mitgeteilt, dass der Gruppenversicherungsvertrag des Deutschen Hebammenverbands mit dem Versicherungskonsortium um die Versicherungskammer Bayern im Juli bis Mitte 2018 verlängert wurde. Das gewährleistet für die freiberuflichen Hebammen seit Jahren erstmals wieder eine mehrjährige Absicherung. Die mit dieser Vertragsverlängerung verbundenen Prämienerhöhungen von durchschnittlich 10 Prozent jährlich liegen deutlich unter den Erhöhungen der letzten Jahre.

Aufgrund der weiteren Maßnahmen zur Hebammenvergütung hat sich die finanzielle Situation der freiberuflichen Hebammen, die Geburtshilfe erbringen, deutlich entspannt. Der im Juli 2015 in Kraft getretene Verzicht auf Regressforderungen der Kranken- und Pflegeversicherung kann einen Beitrag zur Stabilisierung der Versicherungsprämien leisten. Durch die faktische Begrenzung der Höchstschäden entsteht zudem eine verlässlichere Kalkulationsgrundlage für die Versicherungswirtschaft, das ist eine Voraussetzung zur Belebung des Versicherungsmarktes. Derzeit prüfen die betroffenen Versicherungsunternehmen im Einzelfall, ob die angemeldeten Regressforderungen der Kranken- und Pflegekassen gegenüber freiberuflichen Hebammen aufgrund des gesetzlichen Regeressausschlusses zurückgewiesen werden können. Um die Wirksamkeit des Regressausschlusses zu unterstützen, plant das BMG, die Thematik mit der Kassenseite auf Fachebene kurzfristig noch einmal zu erörtern.

Die Sicherstellung der stationären Versorgung im Rahmen der Krankenhausplanung ist grundsätzlich in der Verantwortung der Länder. Sie gewährleisten die Versorgungsangebote unter Berücksichtigung des unterschiedlichen Versorgungsbedarfs in den einzelnen Regionen in angemessener Weise. Laut Statistischem Bundesamt waren im Jahr 2014 in Deutschland 399 Krankenhäuser mit einer geburtshilflichen Fachabteilung vorhanden gegenüber 430 Krankenhäusern mit einer Geburtshilfestation in 2012. Die geringere Zahl kann neben Schließungen auch auf Fusionen beruhen. Die „Landkarte der Unterversorgung“ bzw. der ambulanten Versorgung mit Hebammenleistungen wird als Möglichkeit bewertet, Informationen zu sammeln und publik zu machen, ob es im näheren Umfeld für konkret angefragte Hebammenleistungen auch tatsächlich eine Versorgungsmöglichkeit gibt. Um verlässliche Informationen darüber zu geben, ob eine Unterversorgung besteht, bedarf es zusätzlicher Informationen, die eine auf freiwilliger Basis geführte und damit auf Einzelmeldungen beruhende Landkarte nicht liefern kann.

Aus Sicht des BMG tragen die Maßnahmen wesentlich dazu bei, die finanzielle Situation der freiberuflichen Hebammen zu verbessern und ihnen Sicherheit in Bezug auf einen finanzierbaren Haftpflichtversicherungsschutz zu geben. Nach den vom GKV-Spitzenverband veröffentlichten Hebammenzahlen wird für 2015 erstmalig wieder ein Anstieg verzeichnet. Ich hoffe und bin deshalb zuversichtlich, dass sich die Lage perspektivisch entspannen wird.

Mit freundlichen Grüßen

Sylvia Pantel, MdB

Anhörung vor dem Petitionsausschuss: Jetzt reden wir!

Elternpetition

Am kommenden Montag ist es endlich soweit: Die Elternpetition hat es vor den Petitionsausschuss des Bundestages geschafft! Petentin Michaela Skott wird stellvertretend für uns Frauen und Familien vor dem Ausschuss sprechen und klarstellen, dass in erster Linie wir Eltern von den Missständen in der Geburtshilfe betroffen sind. Auch in Düsseldorf haben wir hunderte Unterschriften für diese Petition gesammelt und nach Berlin geschickt.

Wer mehr dazu lesen will, schaut mal in Silkes Blog „Aberwehe!“ vorbei, sie hat das Thema mal wieder wunderbar auf den Punkt gebracht: bitte hier entlang.

Die öffentliche Anhörung wird live im Parlamentsfernsehen übertragen und steht danach in der Mediathek zur Verfügung. Bitte einschalten am Montag, 20.6.2016 ab 13 Uhr: https://www.bundestag.de/tv

Hier die offizielle Pressemitteilung des Vereins Mother Hood e.V. vom 17. Juni 2016:

Die Bundeselterninitiative Mother Hood e. V. begrüßt die Entscheidung des Petitionsausschusses des Bundestages, die Petentin Michaela Skott anzuhören. Skott engagiert sich seit Jahren für Frauenrechte und ist Mitglied von Mother Hood. 2014 forderte sie in der Petition Nr. 51168 das „Grundrecht mit freier Wahl des Geburtsortes sowie einer Geburtsbegleitung im Schlüssel von 1:1 durch eine Bezugshebamme“. Die öffentliche Anhörung findet am 20. Juni, 13 Uhr, in der Konrad-Adenauer-Straße 1, in Berlin, statt.

„In der Petition geht es um die Wahrung der Rechte von Frauen und Kindern rund um die Geburt. Dazu zählt den Geburtsort frei wählen zu können und die 1:1-Betreuung – egal, ob die Geburt in der Klinik oder Zuhause stattfindet – welche nachgewiesenermaßen zur größtmöglichen Sicherheit führt”, erklärt Michaela Skott. „Dieses Recht leitet sich aus mehreren Rechtsnormen ab und ist in Deutschland noch nicht verankert. Deshalb werden wir Eltern bei allen Entscheidungen, die ja die Gebärenden und Kinder direkt betreffen, gar nicht mit einbezogen und können auch nicht Klage erheben. Ich will, dass sich das ändert,“ so Skott.

Desolate Zustände

Die von Politikern oft dementierten schlechten Zustände in der Geburtshilfe (zuletzt in der Bundestagsdebatte vom 12. Mai) sind Realität: Die Versorgung Gebärender in Kliniken ist vielerorts katastrophal. Die freie Wahl des Geburtsortes, egal ob die Schwangere in einer Klinik, zu Hause oder im Geburtshaus gebären möchte, ist flächendeckend nicht mehr vorhanden. Die Anzahl der Geburtskliniken sinkt, obwohl die Geburtenrate steigt.

Verpflichtung des Gesetzgebers zur Sicherung des Berufsstandes der Hebammen

Die Probleme in der Geburtshilfe sind eng mit der Situation der Hebammen verbunden. Die von Gesundheitsminister Hermann Gröhe durchgesetzten Maßnahmen wie etwa der Sicherstellungszuschlag oder der Regressverzicht haben nicht den gewünschten Effekt. Die Arbeitsbedingungen der Hebammen und die damit verbundene Bezahlung bleiben weiterhin ungenügend. Viele geben deshalb auf und wandern in andere Berufe ab.

„Fehlen Hebammen, haben in erster Linie wir Eltern ein Problem”, sagt Eva Abert vom Vorstand von Mother Hood. „Wir fordern daher von der Politik, endlich die Forderungen der Eltern zu hören und ernst zu nehmen, so wie es nun hoffentlich mit der Anhörung geschieht“.

Die Bundestagspetition von Michaela Skott ist die vierte in nur sechs Jahren, die sich mit der Situation in der Geburtshilfe beschäftigt. “Passiert ist seither wenig, was die sich verschlechternden Zustände aufhalten kann”, fasst Abert zusammen.

(Die Pressemitteilung ist zuerst erschienen auf: http://www.mother-hood.de/presse/elterninitiative-mother-hood-jetzt-reden-wir.html)

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Düsseldorfer Mother Hood Stammtisch am 30. Mai

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Die Mother Hood-Gruppe Düsseldorf und Umgebung trifft sich nächste Woche wieder zum Stammtisch. Wenn Ihr Euch informieren oder mit uns engagieren wollt, seid Ihr herzlich eingeladen. Ihr müsst dazu nicht Mitglied von Mother Hood e.V. sein.

Wann und wo:

Montag, 30.5.2016, um 19.30 Uhr bei
Anadolu am Hauptbahnhof,
Konrad-Adenauer-Platz 13,
40210 Düsseldorf
(aus dem Bahnhof kommend nach links gehen, nach ca. 3 Minuten seid Ihr da)

Wir freuen uns auf Euch!

Wenn möglich, schreibt uns kurz ob Ihr kommt an ak.elternprotest.dus@gmail.com oder sagt auf Facebook zu (Link zur Veranstaltung) – dann können wir besser planen.


Themen:

Wir tauschen uns über die politische Lage und Neuigkeiten zur Versorgung von Familien während Schwangerschaft, Geburt und dem 1. Lebensjahr aus und schauen, wie wir uns in bundesweite Projekte des Vereins einbringen können.

Themenwünsche oder Fragen: Schreibt uns gerne an ak.elternprotest.dus@gmail.com


Weitere Infos über Mother Hood e.V. und unsere Arbeit findet Ihr unter www.mother-hood.de

Infos und Schnäppchen: Unser Infostand auf dem Geburtshauströdel am 21. Mai 2016

Trödel

Das Geburtshaus lädt am Samstag zum großen Kindersachentrödel auf dem Schillerplatz ein und natürlich sind auch wir wieder mit einem Infostand dabei.

Wann: Samstag, 21. Mai 2016, 10-14 Uhr
Wo: auf dem Schillerplatz (Achenbach-/Ecke Schillerstraße)

Kommt vorbei, informiert Euch. Mit im Gepäck haben wir die aktuelle Kasseler Erklärung des Netzwerks für Geburtskultur und eine Petition an den Hessischen Landtag (die bundesweit gezeichnet werden kann). Und wenn Ihr Gelegenheit habt, unsere Flyer auszulegen, nehmt Euch gerne einen Stapel mit!

Wir sehen uns am Samstag!

 

Elternprotest-Stammtisch im April

Stammtisch_April-klein

Die Regionalgruppe Düsseldorf und Umgebung von Mother Hood e.V. trifft sich einmal im Monat zum Stammtisch. Dabei tauschen wir uns über die politische Lage und Neuigkeiten zur Versorgung von Familien während Schwangerschaft, Geburt und dem 1. Lebensjahr aus. Wir planen Aktionen und schauen, wie wir uns in bundesweite Projekte des Vereins einbringen können. Wenn Ihr Euch mit uns engagieren wollt, seid Ihr herzlich eingeladen. Ihr müsst dazu nicht Mitglied von Mother Hood e.V. sein.

Unser nächstes Treffen:

Dienstag, 05.04.2016, um 19.30 Uhr bei
Anadolu am Hauptbahnhof,
Konrad-Adenauer-Platz 13,
40210 Düsseldorf
(aus dem Bahnhof kommend nach links gehen, nach ca. 3 Minuten seid Ihr da)

Wir freuen uns auf Euch!

Wenn möglich, schreibt uns kurz ob Ihr kommt an ak.elternprotest.dus@gmail.com oder sagt auf Facebook zu (Link zur Veranstaltung) – dann können wir besser planen.


Themen:

  • Wollen wir eine Aktion zum Welthebammentag am 5. Mai machen (Feiertag Christi Himmelfahrt)?
  • Infostand auf dem Geburtshaus-Trödel am Schillerplatz (21. Mai)

Themenwünsche oder Fragen: Schreibt uns gerne!


Weitere Infos über Mother Hood e.V. und unsere Arbeit findet Ihr unter www.mother-hood.de

„Wo ist eigentlich das Problem?“

Druck

Warum ist die Lage bezüglich der Hebammen so schlimm? Dies ist eine der häufigsten Fragen, die uns gestellt werden. Hier eine ausführliche Antwort von Eva Abert, Vorstand von Mother Hood e.V.:

Freiberufliche Hebammen arbeiten als Beleghebammen in Krankenhäusern, betreuen Geburten in Geburtshäusern und daheim und bieten Vorsorge und Wochenbettbetreuung an. Nicht jede macht alles, einige machen auch nur Teile obiger Aufzählung.

Bedroht ist aktuell alles, was mit Geburtsbegleitung zu tun hat, denn dafür beträgt die Versicherung seit dem 01.07.2015 über 6.000 € jährlich, die kaum für eine Hebamme zu erwirtschaften sind. Daher haben viele die Geburtshilfe aufgegeben, bzw. geben jeden Tag weitere Hebammen auf.

Davon unabhängig wird es ab Mitte 2016 gar kein Versicherungsangebot mehr für die Geburtshilfe von Hebammen geben. Damit dürfen sie faktisch nicht mehr geburtshilflich arbeiten.

In manchen Regionen übernehmen die freien Hebammen den Löwenanteil an Beleggeburten in Kliniken. Fallen diese Hebammen weg, muss eine festangestellte Hebamme in der Klinik plötzlich nicht „nur” 3 Frauen parallel betreuen, sondern 8 oder 9 … Dabei ist eine 1:1-Betreuung die deutlich sicherste Methode, ein Kind zu gebären.

Zudem haben in den letzten Jahren weit über 300 (!) geburtshilfliche Stationen geschlossen, weil sie nicht mehr wirtschaftlich genug waren. Die Anfahrtswege werden immer weiter; in Berlin ist es keine Seltenheit mehr, dass Frauen unter der Geburt 3 bis 5 Krankenhäuser anfahren müssen, um überhaupt die Chance auf ein Zimmer zu haben. Dabei steigt ab einer Anfahrtszeit von 20 Minuten das Risiko für Mutter und Kind signifikant.

Die Kapazitäten in den Krankenhäusern sind nicht darauf ausgelegt, die wegfallende Arbeit der Beleghebammen aufzufangen – weder räumlich noch personell. Frauen werden auf den Gängen, in CTG-Zimmern oder auf den Parkplätzen ihre Kinder bekommen, es wird keiner da sein, der sich um sie kümmert und ihre Ängste wahrnimmt, wichtige Zeitpunkte werden verpasst werden. Das wird wiederum zu einer noch höheren Kaiserschnittrate und einem höheren Risiko für tödliche Komplikationen führen.

Zudem sind Ärzte in Deutschland nicht dafür ausgebildet und haben auch nicht nur im Ansatz die Zeit, ganze Geburten zu begleiten. Im Gegenteil: Sie sind gesetzlich sogar verpflichtet, zu jeder Geburt (auch zu Kaiserschnitten!) eine Hebamme dazu zu rufen. Und dazu ausgebildet, in Notfällen eingreifen zu können – nicht, eine physiologische Geburt zu unterstützen.

SO sieht die Zukunft der Klinikgeburten aus, wenn alles so weiter läuft.

Frauen, die das nicht wollen, haben keine Alternative mehr. Geburtshäuser werden keine Geburten mehr begleiten und Hausgeburten mit einer begleitenden Hebamme wird es nicht mehr geben.

Da viele Hebammen von den niedrig vergüteten Leistungen Vorsorge und Wochenbettbetreuung nicht leben können, orientieren sie sich beruflich komplett um, so dass auch diese Angebote wegfallen.

Das alles steht uns bevor, weil Deutschlands Politiker ihre gesellschaftliche Verantwortung und die Krankenkassen ihren Versorgungsauftrag nicht wahrnehmen.

Daher setzen wir uns bei Mother Hood e.V. aktiv für eine sichere Geburt unabhängig vom Geburtsort ein. Bitte unterstützt uns und werdet bei Mother Hood e.V. aktiv, auch außerhalb von Facebook – sei es, dass ihr euch bei Aktionen einbringt, unsere Fachgruppen mit eurem Know-how bereichert oder durch eure Mitgliedschaft, die unserer Arbeit mehr Gewicht verleiht!

Wir brauchen euch!

Eva Abert
Vorstand Mother Hood e.V.
Juli 2015

PS Hier geht es zur Beitrittserklärung

 

Geburt wird zur Privatleistung Bundeselterninitiative “Mother Hood” lehnt Pläne der Krankenkassen ab

Pressemitteilung der Bundeselterninitiative Mother Hood vom 27.04.2015:

Erstmals wollen die gesetzlichen Krankenkassen aus der umfassenden Versorgung der Frauen mit Hebammenhilfe aussteigen. Dies wurde im Vorfeld der morgigen Vergütungsverhandlungen (28. April 2015) zwischen dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV-SV) und der Hebammenverbände (DHV und BfHD) bekannt.

Geht es nach dem Willen des GKV-SV, dürfen sich Frauen künftig nur noch unter bestimmten Voraussetzungen für eine außerklinische Geburt auf Kassenleistung entscheiden. Das Überschreiten des errechneten Termins um bereits einen Tag (ET+1) ist dabei eines der umstrittensten Kriterien. Die Pläne der Krankenkassen gelten zunächst für Hausgeburten. Der Verein “Mother Hood – Bundeselterninitiative zum Schutz von Mutter und Kind während Schwangerschaft, Geburt & 1. Lebensjahr”, fürchtet deren Ausdehnung auf die Geburtshäuser noch in diesem Jahr.

“Für die bundesweit jährlich rund 12.000 betroffenen Frauen ist diese Entwicklung eine Katastrophe”, sagt Eva Abert aus dem Vorstand des Vereins “Mother Hood”. “Bei Kosten zwischen 1.000 und 1.500 EUR für eine außerklinische Geburt wird die Wahlfreiheit des Geburtsortes damit eine Frage des persönlichen Geldbeutels. Wir fordern, dass die Krankenkassen auch in der außerklinischen Geburtshilfe ihren gesetzlichen Versorgungsauftrag wahrnehmen”.

Den Verweis der Krankenkassen auf die Sicherheit von Mutter und Kind hält man bei der Bundeselterninitiative für einen vorgeschobenen Grund: “Außerklinische Geburten sind sicher. Dafür sprechen alle Zahlen – übrigens auch jene, die der GKV-SV in einer Studie 2011 selbst erhoben hat”, ergänzt Eva Abert.

Angst vor Sogwirkung 

Sorge bereitet dem Verein “Mother Hood” vor allem die Sogwirkung dieser Entscheidung. Wenn die Krankenkassen auf diese Weise vermitteln, es sei gefährlich den errechneten Termin um auch nur einen Tag zu überschreiten, wird sich dies auch auf klinische Geburten auswirken: “Schon heute wird bei 90 Prozent aller Geburten medizinisch eingegriffen. Der bereits bestehende Trend zur frühen Einleitung, verbunden mit weiteren Eingriffen bis hin zum Kaiserschnitt wird dadurch verstärkt”, gibt Eva Abert zu Bedenken.
Dabei kommen lediglich drei Prozent aller Kinder am errechneten Termin zur Welt. Da eine gesunde Schwangerschaft zwischen 38 und 42 Wochen dauert, wird von einer Übertragung im medizinischen Sinne erst ab ET+14 gesprochen. Bisher konnten die Frauen gemeinsam mit ihren Hebammen nach ausführlicher Aufklärung frei wählen, wo sie gebären wollen. Nach den Vorstellungen der Kassen ist dies bald vorbei – zumindest wenn die Frauen auf Erstattung durch die Kasse angewiesen sind.
Zuletzt waren die Verhandlungen zwischen den Krankenkassen und den Hebammen an diesem Punkt gescheitert.

Der Verein “Mother Hood“

Die Bundeselterninitiative „Mother Hood“ setzt sich u. a. für eine echte Wahlfreiheit in Bezug auf den Geburtsort und den Geburtsmodus im Sinne einer sicheren, evidenzbasierten Geburtshilfe in Deutschland ein. Der Verein geht aus der Facebookgruppe “Hebammenunterstützung” mit 16.000 Mitgliedern hervor und wurde am 22. März 2015 gegründet. Mit zahlreichen Aktionen machen Eltern seit Februar 2014 auf die größer werdenden Missstände in der geburtshilflichen Versorgung in Deutschland aufmerksam. Der Verein erreicht derzeit direkt ca. 70.000 Familien und hat auch darüber hinaus eine hohe öffentliche Wahrnehmung. Darüber hinaus ist Mother Hood bundesweit mit zahlreichen weiteren Initiativen rund um das Thema Geburt vernetzt.

Mehr Infos gibt’s hier: HEBAMMENUNTERSTÜTZUNG goes MOTHER HOOD – Vereinsgründung in Essen am 22. März 2015